FRESH
zeitkratzer / JOHN DUNCAN






Fresh (CD Allquestions-X-tract) (2t-39:58)

Auf dieser CD treffen der amerikanische Klongkünstler John Duncan und das Berliner Ensemble Zeitkratzer aufeinander. Eingefädelt wurde diese superbe Zusammenarbeit von Elke Moltrecht, der Kuratonn des Berliner Clubs Podewil. Die mit der Musik gut harmonierenden Fotos wurden wieder einmal von Giuliana Stefani beigesteuert. Noch der Aufführung von Lou Reeds "Metal Machine Music" sind die Einspielungen der beiden Duncan-Kompositionen "Nav-Flex" ("NAV"; AQ) und "Trinity" ("A Fault In The Nothing"; Ash) ein weiterer Schritt in Richtung Brechung tradierter Hörgewohnheiten. Das zehnkäpfuge Zeitkratzer-Ensemble nimmt sich mit Saxofon (Ulrich Krieger), Trompete (Franz Hautzinger), Piano (Reinhold Friedl), CeIlo (Michael Moser) und einigen anderen klassischen Instrumenten um Transferierungen von Sound(s) an, die sich unter ihrer Regie praktisch elektronisch aufladen. Hier fliežen die beinahe schon orchestralen Klänge auf minimalisiertester Basis in ein permanentes Miosma aus Ruhe und Unruhe, aus Vorwärts und Zurück, aus Laut und Leise. Anders als bei den elektronischen Versionen der beiden Stücke treten nur sehr vereinzelt die dramaturgisch gesetzten harten Schnitte auf, die die beiden 28 und 13 Minuten langen Stücke zu einem konstanten Gerinnen zwischen Implosion und Explosion auf der raumzeittichen Wohrnehmungsachse werden lassen. Massiver Krach drähnt aus den Boxen, es walzen sich audiohalluzinogene Sequenzen gegen die Ohren. Daraus wird ein gesamt schwingender Körper Das Gefühl, als ob man eine vibrierende Geigensaite wäre. Sämtliche innere und äussere Koordinaten der physischen/plastischen/psychischen Wahrnehmung sind über Bord gekippt. "Fresh" ist eine Reise in die atomare Struktur des Sounds, wo das Ohr zum Mikroskop mutiert und die (länge kaleidoskopartig ihre originäre Natur zwischen Elektronisch und Organisch gegeneinander ausspielen. Presse die Taste: "Endless Repeat".

Heinrich Deisl, SKUG